Unsere Arbeit

Unser gemeinnütziger Verein commit and act e.V. engagiert sich für Not leidende Menschen in Sierra Leone und anderen afrikanischen Ländern. Ein internationales Team von Therapeuten widmet sich dort dem Training einheimischer Mitarbeiter im Gesundheitswesen in der verhaltenstherapeutischen Akzeptanz und Commitment Therapie (ACT) durch Workshops und regelmäßige Supervision.

Unser wissenschaftlich fundierter therapeutischer Ansatz (www.contextualscience.org) befähigt Menschen in schwierigen Lebenssituationen, sich mit ihren Ängsten und Sorgen auseinanderzusetzen und kreative Lösungen für ihre vielfältigen, alltäglichen Herausforderungen zu finden. So werden Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, Familien und andere Gruppen gestärkt, ihr Leiden wird gemildert, sie finden selbst praktische Lösungen für Probleme und damit oft wieder eine lebenswerte Zukunftsperspektive.

In Zusammenarbeit mit lokalen Regierungsinstitutionen wie z.B. dem Gesundheitsministerium, der Polizei oder der Distriktbehörde bieten wir in unserem psychosozialen Zentrum in Bo und anderen Gebieten Sierra Leones ACT-Trainings und therapeutische Unterstützung an.

commit and act hat es sich zum Ziel gesetzt, dass Menschen nach schwerwiegenden Lebensereignissen wieder in sich selbst Vertrauen fassen können und ihr Leben nach ihren eigenen Werten und Vorstellungen gestalten.

Zur Akzeptanz und Commitment Therapie (ACT)

Die Akzeptanz und Commitment Therapie (ACT) ist eine wissenschaftlich fundierte, verhaltenstherapeutische Methode, mit deren Hilfe, Menschen lernen, die Folgen ihrer emotionalen Belastungen auf ihr eigenes Leben zu reduzieren. Akzeptanzbasierte therapeutische Ansätze haben dabei zum Ziel, den Umgang mit schmerzhaften Erfahrungen so zu verändern, dass möglichst wenig zusätzliches Leiden durch Vermeidungsreaktionen entsteht. Die Herangehensweise der ACT unterstützt Menschen herauszufinden was in ihrem Leben wirklich zählt. Sie fördert flexible, an die Situation angepasste Verhaltensweisen, die mit den eigenen Werten im Einklang stehen. Mehr Informationen zur ACT finden Sie unter

https://contextualscience.org.

Wissenschaftliche Studien in unterschiedlichen Ländern und auch unsere Arbeit in Sierra Leone haben gezeigt, dass der Ansatz der kontextuellen Verhaltenswissenschaften, die Grundlage der ACT, in einem nicht-westlich geprägten kulturellen Kontext erfolgreich angewandt werden kann und sehr gut akzeptiert wird.

Es werden grundlegenden Prozesse vermittelt, die intuitiv sinnvoll sind und durch erlebnisorientierte Übungen begreiflich werden. Dazu zählen z.B. die Akzeptanz vergangener Lebensereignisse mit den dazugehörigen Emotionen oder die Einnahme neuer Sichtweisen auf eine schwierige Situation oder auch die Verknüpfung der eigenen Handlungen mit bewusst gewählten Werten. Diese Prozesse fördern flexibles, im Sinne des jeweiligen Menschen oder der Gruppe hilfreiches Verhalten.

Unser Forschungsteam überprüft die Auswirkungen unserer Arbeit für die Menschen vor Ort. Dabei haben wir immer im Blick, dass emotionale Belastungen kulturübergreifend sehr unterschiedlich erlebt werden können.

commit and act in der Gemeinschaft

Neben den psychosozialen Trainings und psychotherapeutischen Angeboten gehen wir auch auf die grundlegenderen Bedürfnisse der Menschen in Sierra Leone ein und bieten zusätzliche Unterstützung mit Gesundheits- und Bildungsangeboten wie:

  • Finanzielle Unterstützung für Überlebende der Ebola-Epidemie und für Ebola-Waisenkinder
  • Schutz für Mädchen, die sexueller oder häuslicher Gewalt ausgesetzt sind
  • Aufklärung von Familien zur weiblichen Genitalverstümmelung und langfristige Unterstützung zur Verhinderung der Taten
  • Gründung einer Frauengruppe und einer Gruppe für Männer und Frauen, die sich für ein gewaltfreies, prosoziales Leben einsetzen, die mit geringen Mitteln einen Fonds für Notsituationen und für Klein-Kredite angelegt haben, mit dessen Hilfe die Mitglieder eine Starthilfe zum Verdienen ihres Lebensunterhalts bekommen

Sierra Leone

Sierra Leone ist ein westafrikanischer Staat an der atlantischen Küste. Es grenzt an Guinea und Liberia. Die ca. sechs Millionen Einwohner sind unterschiedlicher ethnischer Herkunft, der Islam und das Christentum sind die vorherrschenden Religionen, die in diesem Land sehr friedlich und respektvoll miteinander leben.

Das Land hat einen mehr als 10 Jahre langen außerordentlich brutalen Bürgerkrieg hinter sich, der im Jahr 2000 endete. Viele Einwohner leiden noch immer unter den Folgen der schlimmen Erlebnisse. Kriegsverletzte und ehemalige Kindersoldaten leben neben Vertriebenen und Opfern sexueller Gewalt. In seiner bewegenden Autobiographie „Rückkehr ins Leben“ beschreibt Ismael Beah, der heute für Human Rights Watch arbeitet, die Lebensbedingungen als ehemaliger Kindersoldat in diesem Bürgerkrieg.

Es gibt in diesem Land praktisch keine institutionellen psychosozialen Unterstützungsangebote, so dass viele Menschen ohne die nötige Hilfe leben müssen. Trotz dieser Nöte konnte Sierra Leone seine Gesellschaft und Wirtschaft in den letzten Jahren wieder aufbauen. Dabei ist das Land extrem arm und fast die Hälfte der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft, um zu überleben. Zuletzt wurde das Land von der Ebola-Epidemie heimgesucht. Mittlerweile gilt die Seuche in Sierra Leone als überwunden, aber die Folgen sind tiefgreifend. Die Menschen waren in Panik und leiden immer noch unter Ängsten und Trauer angesichts der unkontrollierbaren Ausbreitung und des erneuten Verlusts tausender Menschen unter schrecklichen Umständen; zahlreiche Ärzte starben an der Epidemie und hinterlassen eine nicht zu füllende Lücke im ohnedies völlig unzureichenden Gesundheitssystem. Der Verlust der gerade erreichten zaghaften ökonomischen Fortschritte führt zu verstärkter Armut, Frustration und vermehrter Gewalt gegen die Schwächsten, die Mädchen.

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